Konzerte fotografieren

Konzerte fotografieren …bedarf einiges, was du beachten solltest! In diesem Beitrag erzähle ich dir einige Tipps, grundlegendes Wissen und einige persönliche Erfahrungen zu diesem Thema.

In der Regel wirst du, wenn du diesen Beitrag gesucht/gefunden hast Neuling als Konzertfotograf sein und du suchst ein paar Informationen zu Einstellungen und zum Vorgehen. Diese sollst du bekommen.

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Gehörst du zum „Team“ der Band, hast du sicherlich vorher mit ihnen darüber gesprochen und sie haben kein Problem damit, wenn du Bilder anfertigst. Ansonsten ist es eher so, dass du eine Genehmigung des Veranstalters, des Künstlers und ggf. anderen Personen benötigst. In der Regel gibt es dafür Pressegenehmigungen. Anderenfalls kann es dir passieren, dass dir deine Kamera am Eingang abgenommen wird – im Zweifel erkundige dich vor dem Event. Je nach Event und Künstler ist die Zeit für Fotos im „Graben“, also zwischen Bühne und Publikum eingeschränkt und es kommt nicht selten vor, dass man nur für 3 Lieder geduldet wird (Intro kann bereits mitzählen). Gehörst du zur Crew, sollte hier keine Einschränkung gelten.

Auf Blitzlicht ist absolut zu verzichten.

In jedem Fall solltest du einige Dinge und Einstellungen beachten. Die Lichtverhältnisse wechseln während der Show ständig. Grundsätzlich muss man sich also überlegen, wie die Einstellungen an der Kamera sein sollten, damit die möglichst viele scharfe Bilder bekommst. Klären wir aber zunächst die Ausrüstung ab. Sehr gut geeignet sind Kameras mit einem lichtstarken Zoomobjektiv im (ungefähren) Bereich von 20-70mm. Damit ist man dann vor der Bühne besonders flexibel und kann dynamische Aufnahmen der Künstler oder einer Gruppe insgesamt aufnehmen, aber auch Detailaufnahmen sind möglich. In der Regel ist der Graben recht eng und Weitwinkel ist wichtig.

Solltest du aus dem Publikum oder von weiter Weg fotografieren, benötigst du ein lichtstarkes Teleobjektiv, die in der Regel sehr teuer sind. Grundsätzlich ist lichtstärker in diesem Bereich der Fotografie viel wert und immer besser. Um dir ein Beispiel zu geben: Ich benutze aktuell dafür meine (schon in die Jahre gekommene) Canon 600D und ein Sigma 17-70mm 2.8 – 4.0 Macro. Also eine Kamera mit APS-C Sensor. Das sollte auch mindestens deine Wahl sein. Denn je größer der Sensor (MFT < APS-C < Kleinbild), desto weniger Rauschen bekommt man auf das Bild bei hohen ISO-Werten (Lichtempfindlichkeit), die wir jedoch benötigen. Es ist absolut nicht zu empfehlen zu versuchen, das Objektiv zu tauschen. Das geht in der Regel in der Dunkelheit schief und dauert viel zu lange.

Konzentriere dich am meisten auf die Situation und deinen Bildausschnitt. Achte unbedingt darauf, dass bei Gitarristen immer der Gitarrenkopf auf dem Bild drauf ist, schneide im Zweifelsfall lieber am Gitarrenkorpus etwas an.

Aus meiner Erfahrung kann ich da eine Belichtungszeit von mindestens 1/250 Sekunde empfehlen. Damit werden auch Bewegungen noch in der Regel scharf, denn auf Blitzlicht ist absolut zu verzichten. Gleichzeitig ist die Belichtung noch lang genug, um möglichst viel von dem spärlichen Licht einzufangen. Diesen Wert möchte ich in der Regel nicht groß ändern und empfehle daher den Modus „Zeitpriorität“ oder auch „S“. Damit ist unsere Verschlusszeit fixiert. Hätten wir ein Objektiv mit fester Blende, wäre der M-Modus (manuell) ebenso denkbar. In meinem Fall überlasse ich die Wahl der Blende der Kamera. Auf Grund der Dunkelheit wird die Kamera eh am Limit arbeiten und versuchen, die offenste Blende zu wählen. Mein Objektiv hat bei 17mm eine maximale Offenblende von 2.8 und bei 70mm 4.0. Das heißt die Kamera passt diesen Wert für mich automatisch immer „an das Maximale“ an. Darüber hinaus stelle ich in der Kamera die maximale Lichtempfindlichkeit auf ISO3200 und auf den ISO Auto-Modus. Über diesen Wert hinweg sind Bilder der Canon 600D nicht mehr wirklich schön und rauschen sehr stark. Diesen Wert müsst ihr für eure Kamera einfach mal austesten, moderne Kameras schaffen hier locker auch 6400 und mehr.

Zusammenfassend:  1/250s – Modus S oder M – ISO Auto – 20-70mm

Den Autofokus habe ich in meinen Kameras über das Custom-Menü vom Auslöser getrennt, das ist aber eine Geschmacksfrage. Dieser Schritt ist nicht zwingend, ermöglicht es mir aber permanent mit einem gewählten Knopf nachzufokussieren (Continious Modus) und mich auf den richtigen Moment sowie Bildausschnitt zu konzentrieren. Dann wird einfach im Serienbildmodus ausgelöst, wenn der Moment gekommen ist. Lasst euch aber hier nicht verunsichern, dieses Vorgehen bedarf ein paar Tage Übung und sollte nur genutzt werden, wenn man sich sicher fühlt. Zusätzlich empfiehlt sich noch für die Messung der Belichtung die Spotmessung. Ansonsten entscheidet die Kamera auf Grund der starken Dunkelheit oder hellen Scheinwerfer zu oft falsch. Natürlich solltest du in RAW fotografieren, um Bilder, die mal zu dunkel geworden sind auch noch anpassen zu können ohne Verluste. Das bleibt bei Konzerten in der Regel nicht aus.

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Wie bereits erwähnt, ändern sich die Lichtverhältnisse ständig. Daher ist es ratsam, immer mehrere Bilder pro Situation zu machen und hinterher nur das beste Foto zu behalten. Ich mache in der Regel 10 Bilder und schaue sie direkt kurz durch, um ein Gefühl zu bekommen, wie die Kamera arbeitet und ob ich etwas korrigieren muss. Konzentriere dich am meisten auf die Situation und deinen Bildsausschnitt. Achte unbedingt darauf, dass bei Gitarristen immer der Gitarrenkopf auf dem Bild drauf ist, schneide im Zweifelsfall lieber am Gitarrenkorpus etwas an. Ansonsten wirken die Bilder immer etwas seltsam und wenig dynamisch. Lass ebenso Raum, damit der Musiker wirkt und spiele mit Perspektive, Brennweite und Winkel. Viel mehr gibt es nicht zu beachten, der Rest ist Übung und Mut auch kreativ zu fotografieren.

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Ein letzter Tipp zur Nachbearbeitung: Entwickle die Bilder einmal in Farbe mit deinem Look und einmal in schwarz-weiß in starken Kontrasten. Einige Bilder sind so voller Emotionen, dass Lichteffekte von diesen Momenten ablenken. Diese Bilder wirken meistens viel stärker in monochrom.

Nun heißt es Kamera schnappen und loslegen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Fotografieren und vergiss nie, ein Konzert ist auch zum Hören und Gucken da. Also Kamera auch mal aus der Hand legen 😉

Viele Grüße
Andreas

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